Bike-Diebstahl kann Sabrina Tigges nicht stoppen – Viking of the North erfolgreich gefinisht

Vor einem Jahr hatte Sabrina Tigges ein großes Ziel vor Augen: Sie wollte „Viking of the North“ werden. Dafür musste sie im Rahmen der Viking-of-the-North-Tour zwei Ironman-Rennen absolvieren – eine Mitteldistanz und eine Langdistanz. Ihre Wahl fiel auf den Ironman 70.3 Elsinore in Dänemark, den sie bereits im Juni erfolgreich finishte, und den Ironman Kalmar in Schweden, der am 15. August auf dem Programm stand.

Nach dem erfolgreichen Rennen in Dänemark sollte nun in Kalmar die Krönung folgen. Doch bereits auf dem Weg nach Schweden wurde Sabrinas Vorhaben auf eine harte Probe gestellt.

Gestohlenes Zeitfahrrad – aber kein Grund aufzugeben

Im Frühjahr hatte sich Sabrina ein Zeitfahrrad angeschafft. Die bessere Sitzposition versprach nicht nur eine aerodynamischere und damit schnellere Fahrt, sondern auch ein angenehmeres und entspannteres Fahren über die lange Distanz.

Die Reise nach Schweden trat Sabrina bereits eine Woche vor dem Rennen an, um Land und Leute zu genießen und sich in Ruhe auf den Wettkampf einzustimmen. Doch in Travemünde kam es zum Schock: Ihr Zeitfahrrad wurde gestohlen.

Für Sabrina war schnell klar: Aufgeben kommt nicht infrage. Sie hakte das Drama ab und aktivierte kurzerhand Plan B. Eine gute Freundin startete zwei Tage später in den Sommerurlaub nach Fehmarn und konnte ihr altes Rennrad mitbringen. Eine weitere Bekannte nahm das Fahrrad anschließend mit nach Kalmar. Damit war klar: Dem Start stand nichts mehr im Wege.

Und so blieb trotz aller Aufregung das große Ziel fest im Blick: starten, finishen und die begehrten zwei Medaillen der Viking-of-the-North-Tour nach Hause bringen.

Großartige Stimmung in Kalmar

Kalmar präsentierte sich bereits vor dem Rennen von seiner besten Seite. Die Atmosphäre rund um den Ironman war großartig, die Menschen freundlich und die gesamte Stadt vom Triathlonfieber angesteckt.

Auch Sabrinas Tochter Annika konnte diese besondere Stimmung bereits am Freitag erleben. Gemeinsam mit ihrer Freundin Ida nahm sie am Ironman Kids Run über 1.500 Meter teil und durfte anschließend die beeindruckende Atmosphäre auf der Finishline genießen.

Am Samstagmorgen hieß es dann für Sabrina selbst: früh aufstehen und ab zum Start. Die Nacht zuvor war kurz und unruhig, die Nervosität entsprechend groß. Besonders vor dem Schwimmen in der offenen Ostsee hatte sie großen Respekt.

Doch dann kam der Moment, der die Anspannung löste. Im Startbereich wurde die Nationalhymne gesungen, anschließend folgte die emotionale Ansprache des Sprechers. Plötzlich war die Nervosität verschwunden – jetzt konnte es losgehen.

3,8 Kilometer durch die Ostsee

Die 3,8 Kilometer lange Schwimmstrecke verlief für Sabrina sehr gut. Trotz des Wellengangs fand sie schnell ihren Rhythmus und konnte das Wasser nach etwas mehr als 1,5 Stunde verlassen.

Der Wechsel aufs Fahrrad lief ebenfalls problemlos. Die ersten Kilometer und insbesondere die Fahrt über die Ölandbrücke machten große Freude. Doch im weiteren Verlauf wurde die Strecke zunehmend anspruchsvoller.

Der Wind nahm deutlich zu und kostete viel Kraft. Ab Kilometer 120 machte sich zudem die ungewohnte Sitzposition auf dem Ersatz-Rennrad bemerkbar. Auch die Energieversorgung wollte nicht mehr richtig funktionieren. Leichte Magenprobleme und Kopfschmerzen kamen hinzu.

Trotzdem blieb die wunderschöne Radstrecke ein Highlight des Rennens. Zunächst führte sie über die Insel Öland und durch ein Naturschutzgebiet. Immer wieder sorgten zahlreiche Zuschauer an der Strecke für tolle Stimmung. Später ging es zurück aufs Festland und durch das schwedische Hinterland – vorbei an vielen typischen, beinahe märchenhaften „Bullerbü-Häusern“.

Die abwechslungsreiche Strecke sorgte dafür, dass die vielen Kilometer wie im Flug vergingen. Dennoch war Sabrina froh, als sie schließlich vom Rad steigen und in die Laufschuhe wechseln konnte.

Kämpfen für die zwei Medaillen

Der Start in den Marathon gelang zunächst noch recht ordentlich. Doch die Magenprobleme sowie Kopf- und Nackenschmerzen wurden stärker. Außerdem wollte Sabrina keine weiteren Gels mehr zu sich nehmen, sodass die Energieversorgung zunehmend schwieriger wurde.

Bereits früh musste sie deshalb immer wieder ins Gehen wechseln. Nach der ersten Laufrunde wurde es besonders schwer, den Gedanken an die noch verbleibenden Kilometer auszublenden.

Doch dann half genau das, was einen Ironman so besonders macht: die Menschen an der Strecke.

Der Support der Zuschauer erinnerte Sabrina immer wieder an ihr großes Ziel. Sie wollte diese beiden Medaillen – die für den Ironman Kalmar und vor allem die begehrte Viking-of-the-North-Medaille.

Und tatsächlich: Irgendwann konnte Sabrina wieder in ein leichtes Traben wechseln. Getragen von der großartigen Stimmung absolvierte sie auch die zweite und schließlich die dritte Laufrunde.

Ein emotionaler Zieleinlauf

Dann war es endlich geschafft. Nach Schwimmen, Radfahren und Marathon durfte

Sabrina die Ziellinie in Kalmar überqueren.

Der Zieleinlauf war ein ganz besonderer und stimmungsvoller Moment. Alle Strapazen der vergangenen Stunden waren für einen Augenblick vergessen. Vor allem aber warteten dort die beiden Medaillen, für die Sabrina so hart gekämpft hatte.

Das Ziel war erreicht: Sabrina ist Viking of the North!

Den perfekten Abschluss dieses besonderen Rennwochenendes gab es dann noch mit einem gemeinsamen Foto mit Laura Philipp, der deutschen Profi-Triathletin, die das Rennen in Kalmar gewann.

Eine Woche Schweden, ein turbulenter Weg zum Start und ein harter Ironman – aber am Ende vor allem eines: zwei Medaillen und ein ganz persönlicher Triumph.