Fahrtenbericht Lahnwanderfahrt August 2026

Vier Tage, elf Frauen und jede Menge Schleusen

Was als gemeinsames Ruderwochenende geplant war, wurde zu einer abwechslungsreichen
Vier-Tage-Tour mit Rudern, Kanufahren, gutem Essen, Wellness, Kultur – und natürlich dem
ein oder anderen Glas Sekt. Mit elf Frauen machten wir uns am Donnerstag auf den Weg
Richtung Wetzlar und Weilburg.
Donnerstag – Anreise, Rudern und ein kleiner Umweg
Mit nur kurzer Verspätung und damit fast pünktlich ging es am Donnerstagmorgen mit zwei
Bullis los. Nach gerade einmal fünf Minuten Fahrt gab es bereits den ersten Fototermin –
allerdings unfreiwillig: Beide Bullis wurden direkt von einem mobilen Blitzer erwischt. Ein
vielversprechender Start!

Um 10 Uhr legten wir auf einem Rastplatz bei Katzenfurt die erste Sektpause ein, bevor es
weiter nach Wetzlar ging. Dort startete um 11 Uhr unsere erste Rudertour über 12 Kilometer
mit einer Selbstbedienungs-Schleuse, die wir auf dem Hin- und Rückweg bedienen mussten.
Bei der Rückschleusung bekamen wir Unterstützung von zwei zufällig vorbeikommenden
Fahrradfahrern aus dem Ruhrpott. Wir fragten sie kurzerhand, ob sie ein Foto von uns in der
Schleuse machen könnten. Das Ergebnis: Sabine bekam anschließend sage und schreibe 48
(Anzahl gerne korrigieren) Fotos zugeschickt. So viel Einsatz hatten wir dann doch nicht
erwartet.

Nach der sehr sonnigen Rudertour gab es natürlich noch ein Eis, bevor wir weiter nach
Weilburg ins Hotel fuhren. Zumindest war das der Plan. Bulli 1 musste allerdings noch eine
Ehrenrunde nach Wetzlar drehen, da Geli ihre Schuhe dort vergessen hatte.
Im Hotel angekommen, wurde zunächst das Schwimmbad getestet, bevor wir zum
gemeinsamen Abendessen bei Michelangelo aufbrachen. Gegen 22:30 Uhr lagen schließlich
alle im Bett.
Freitag – Kanutour mit Schleusen, Sekt und Zugfahrt
Am Freitag klingelte um 7:30 Uhr der Wecker. Nach einem ausgiebigen Premium-Frühstück
ging es um 9 Uhr ca. 20min zu Fuß Richtung Kanustation.
Vier Kanadier standen für uns bereit: drei Boote mit jeweils drei Personen und eines mit zwei
Paddlerinnen. Bis zur ersten Doppelschleuse lief alles bestens. Marion und Manuela wollten
die Schleuse natürlich selbst bedienen. Nach kurzen physikalischen Denkproblemen war auch
diese Herausforderung erfolgreich gemeistert und die beiden sind zu professionellen
Schleusern geworden.
Danach wurde erst einmal im Päckchen getrieben und die ersten zwei Sektflaschen geleert.
Eine Eispause durfte selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen, bevor noch vier weitere
Schleusen auf uns warteten.
Zur Mittagspause verabschiedeten sich Dagmar und Andrea und fuhren bereits mit der Bahn
zurück. Die restlichen Mädels absolvierten die geplante Strecke und kamen schließlich
problemlos ins Ziel.
Während der Zugfahrt kümmerte sich Geli bereits um unser Abendessen.
Eigentlich hatten wir überlegt, die Reservierung im Brauhaus abzusagen und stattdessen im
Hotel zu essen. Da uns das Brauhaus allerdings für die kurzfristige Absage 25 Euro pro
Person berechnet hätte, wurde kurzerhand umdisponiert: Der Tisch im Hotel wurde auf
Samstag verschoben, der reservierte Tisch von Samstag dafür komplett storniert und der
Besuch im Brauhaus blieb bestehen – nur eben eine Stunde später. Das sorgte
zwischenzeitlich für etwas Puls, am Ende wurden wir aber mit sehr leckerem Essen belohnt.
Innerhalb von gerade einmal 15 Minuten waren alle Boote aus dem Wasser.
Dann hieß es: ab zur Bahn. Anke organisierte professionell die Tickets am Automaten und
tatsächlich standen wir fünf Minuten vor Abfahrt am Gleis.
Eine kurze Panikattacke gab es während der Bahnfahrt noch, als Katrin glaubte, ihren
Autoschlüssel verloren zu haben. Nachdem der Packsack zweimal gründlich durchsucht
worden war, tauchte er glücklicherweise wieder auf.
Im Brauhaus angekommen, stellte sich übrigens heraus, dass die Reservierung offenbar sehr
großzügig ausgelegt worden war: Wir waren die einzigen Gäste im gesamten Innenbereich.

Samstag – 18 Kilometer auf der Lahn und ein schicker Abend
Der Samstag begann wieder mit unserem mittlerweile obligatorischen hervorragenden
Hotelfrühstück. Anschließend ging es fast pünktlich mit den Bullis nach Limburg.
Dort liehen wir drei Boote aus – selbstverständlich die ältesten, breitesten und damit
vermutlich gemütlichsten Exemplare, die verfügbar waren. Insgesamt standen 18 Kilometer
auf dem Programm.
17,5 Kilometer lang blieb es trocken und sogar sonnig. Auf den letzten 500 Metern öffnete
der Himmel dann allerdings sämtliche Schleusen. Am Ende waren alle elf Frauen komplett
durchnässt.
Nachdem die Boote zurückgebracht waren, ging es geschlossen in die Umkleide. Dort begann
das altbekannte Procedere: „Mir fehlt ein Handtuch!“, „Ich habe keine Wechselklamotten
dabei!“ und „Wer hat 20 Cent für die Dusche?“ Erst hatte natürlich niemand Kleingeld – kurz
darauf hatten wir ungefähr dreimal so viel wie benötigt. Dank gegenseitigem Aushelfen mit
Handtüchern und trockener Kleidung waren schließlich alle wieder einigermaßen trocken und
ausgehfertig.
Auf der Terrasse wurde anschließend gemütlich der nächste Regenschauer abgewartet, bevor
es in die Limburger Altstadt ging. Jede konnte dort nach Lust und Laune unterwegs sein –
Dom anschauen, durch die Altstadt schlendern oder shoppen.
Gegen 17:30 Uhr ging es zurück nach Weilburg. Im Hotel blieb noch eine Stunde zum
Ausruhen und Powernappen, bevor um 19:30 Uhr unser Abendessen im Hotelrestaurant
anstand.
Für diesen Anlass warfen sich alle ordentlich in Schale. Die Weinkarte wurde ausgiebig
studiert und schließlich standen unter anderem Thunfischsteak und Pfifferlinge in
verschiedenen Variationen auf dem Tisch. Offenbar hatte das Restaurant bereits geahnt, dass
elf Frauen durchaus etwas lauter werden können, denn unser Tisch war etwas abseits
separiert.
Nach Gelis professioneller Weinprobe des Grauburgunders wurde Glas um Glas
eingeschenkt. Im Laufe des Abends stellte sich allerdings heraus, dass Team
Grauburgunder in den Diskussionen deutlich streitbarer und aggressiver unterwegs war als
Team Sauvignon Blanc.

Natürlich durfte auch der ein oder andere Nachtisch nicht fehlen.
Sonntag – Schloss, Gärten und ein letzter Eis-Stopp
Der Sonntag startete etwas entspannter. Während der Rest der Gruppe ausschlafen wollte,
standen Anke und Mona bereits um 7:30 Uhr auf, um noch zwei Saunagänge einzulegen.
Beim Frühstück war es dann allerdings etwas weniger entspannt als an den Tagen zuvor:
Offenbar hatten sich viele Gäste vorgenommen, kurz vor knapp gleichzeitig zu frühstücken,
sodass das Buffet bereits etwas geplündert war.
Um 10:30 Uhr hieß es auschecken und am Bus sammeln. Unser letzter Programmpunkt führte
uns zur gebuchten Führung durch das Schloss Weilburg.
Die Führung war sehr schön gemacht und bot viele spannende Einblicke in das Leben am
damaligen Hof. Besonders beeindruckend war das Badezimmer: Bereits 16 Stunden vor
dem Badetag wurde eingeheizt, damit sogar der Marmor warm war. Von einer schnellen
Dusche konnte man damals also definitiv nicht sprechen.

Auch eines der Gästezimmer hatte eine besondere Geschichte: Es wurde ganze zwei Jahre
lang für den Kurfürsten gebaut. Eine Woche vor seinem geplanten Besuch wurde die Reise
jedoch abgesagt – und so wurde das aufwendig vorbereitete Zimmer letztendlich vermutlich
nie genutzt.
Interessant waren auch die Geschichten rund um die damalige Kindheit am Hof: Jungen und
Mädchen trugen bis etwa zum Alter von sechs bis sieben Jahren Kleidchen. Das
Geschlecht ließ sich nur über rosa und blaue Akzente erkennen. Außerdem erfuhren wir
mehr über das azurblaue Zimmer des Grafen. Die damals verwendete Farbe enthielt unter
anderem Blei und Quecksilber und ist nach heutigen Erkenntnissen hochgiftig. Trotzdem
wurde er stolze 88 Jahre alt – für damalige Verhältnisse ein außergewöhnlich hohes Alter.
Fotos waren während der Führung leider nicht erlaubt, dafür gab es viele spannende
Geschichten und Details aus vergangenen Zeiten.
Nach der Führung spazierten wir noch durch die wunderschönen, terrassenartig angelegten
Schlossgärten. Anschließend ließen wir es uns bei Kaffee und Aperol in der kleinen,
historischen Orangerie gutgehen.
Die gemütliche Runde wurde plötzlich von einem kleinen Spektakel unterbrochen: Vor dem
Schloss formierte sich die Bürgerwehr, salutierte und marschierte anschließend zum
Schlossplatz. Anlass war die bevorstehende Kirchweihe, für die dort der Segen empfangen
werden sollte. Im Schlosshof fand anschließend der Gottesdienst statt – wir verabschiedeten
uns allerdings relativ schnell wieder.
Denn natürlich galt auch am Sonntag: Unser täglich Eis gib uns heute.

Auf dem Weg zurück zu den Bullis gab es deshalb noch einen schnellen Eis-Stopp. Dort
mussten wir uns schließlich auch von Anke verabschieden, die spontan mit ihrem Sohn nach
Hause weiterfahren wollte, welcher zufällig ebenfalls in Weilburg war.
Damit ging ein rundum gelungenes Wochenende zu Ende: vier Tage, viele Kilometer auf
dem Wasser, unzählige Schleusen, Sonne und minimal Regen, Sekt und Eis, gutes Essen,
ein bisschen Wellness und vor allem jede Menge gemeinsamer Spaß.
Ein Wochenende, das definitiv nach Wiederholung schreit!