Rheine/Sundern. Als der letzte Ball den Boden berührte, gab es kein Halten mehr. Spielerinnen fielen sich in die Arme, Tränen flossen, von den Rängen hallte es lautstark durch die Halle: „Wir vom Sorpesee!“ In diesem Moment war alles entschieden – die weibliche U20 des RC Sorpesee ist Westdeutscher Meister 2026.
Ein Wochenende voller Emotionen, voller Wendungen und voller unvergesslicher Augenblicke fand damit seinen Höhepunkt. Und selten hat ein Team diesen Titel so sehr erkämpfen müssen wie die Mannschaft aus dem Sauerland an diesen beiden Tagen in Rheine.
Als an eins gesetztes Team gestartet, reiste der RCS zwar mit einer starken Ausgangsposition an – doch im Vorfeld galt vielerorts ein anderer als Favorit: der RSV Borken. Und schon in der Vorrunde wurde deutlich, dass dieses Turnier kein Selbstläufer werden würde.
Während das Spiel gegen den VC Eintracht Geldern noch klar entschieden werden konnte, verlangten die Partien gegen die DJK Süd-West Köln und später im Viertelfinale gegen den PTSV Aachen dem Team bereits alles ab. Immer wieder musste der RC Sorpesee kämpfen, Lösungen finden, Ruhe bewahren – und genau das sollte sich im weiteren Turnierverlauf auszahlen.
Der Sonntag begann dann mit einem Spiel, das allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird. Im Halbfinale gegen die „Steeler Kriegerinnen“ vom VV Humann Essen entwickelte sich ein echter Volleyball-Krimi. Angetrieben von der lautstarken „Blauen Wand“ lieferten sich beide Teams ein Duell auf Augenhöhe. Nach dem 1:1 in Sätzen musste der Tiebreak entscheiden – und der begann aus Sicht des RCS denkbar schlecht.
0:6, später 3:9 – der RC Sorpesee schien schon geschlagen. Die Körpersprache angespannt, die Situation kritisch. Doch was dann passierte, lässt sich kaum in Worte fassen. Mit unglaublicher Willenskraft, mit jeder Menge Herz und getragen von den Fans kämpfte sich das Team zurück. Punkt für Punkt. Beim 12:12 war das Spiel wieder offen. Beim 15:15 hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Und als schließlich das 17:15 fiel, brachen alle Dämme. Ein Sieg, der sich anfühlte wie ein Finale – und gleichzeitig das Ticket zu den Deutschen Meisterschaften am 9. und 10. Mai beim SV BW Lohne bedeutete.
Doch dieses Team wollte mehr.
Das Finale gegen den RSV Borken wurde zur nächsten emotionalen Achterbahnfahrt. Der RC Sorpesee startete stark, ging mit 4:0 in Führung, doch Borken – verstärkt durch Spielerinnen aus dem Bundesligakader – fand zurück ins Spiel und sicherte sich den ersten Satz.
Auch im zweiten Durchgang schenkten sich beide Teams nichts. Jeder Ballwechsel umkämpft, jede Aktion entscheidend. Als Borken bereits einen Championship-Ball hatte, lag die Entscheidung greifbar nahe – doch der RCS hielt stand. Mit Mut, mit Nervenstärke und vielleicht auch mit einem Quäntchen Glück drehte das Team den Satz noch und gewann ihn mit 26:24.
Wieder Tiebreak. Wieder pure Spannung.
Doch diesmal setzte der RC Sorpesee ein klares Zeichen. Mit einer beeindruckenden Mischung aus Entschlossenheit, Spielfreude und absolutem Teamgeist erspielte sich die Mannschaft eine 14:9-Führung. Der letzte Aufschlag – ein Ass. Der perfekte Moment. Der perfekte Abschluss.
Die Halle bebte. Spielerinnen sanken zu Boden, Fans lagen sich in den Armen – ein Meer aus Emotionen, das diesen besonderen Erfolg widerspiegelte.
„Wir haben alle viele Nerven gelassen, aber am Ende hat das beste Team gewonnen“, fasste das Trainerteam die Ereignisse treffend zusammen.
Dass der RC Sorpesee solche Momente immer wieder schafft, ist kein Zufall. Bereits im vergangenen Jahr wurde die U18 Westdeutscher Meister und krönte sich bei den Deutschen Meisterschaften zum Vizemeister. Eine Generation, die nun in der U20 erneut Verantwortung übernimmt – und zeigt, dass sie nicht nur mithalten, sondern ganz oben stehen kann. Und das alles aus einem Dorf im Sauerland, das sich immer wieder gegen die großen Namen durchsetzt.
Der erneute Einzug zu den Deutschen Meisterschaften ist daher mehr als nur eine Qualifikation – er ist der nächste Schritt in einer beeindruckenden Entwicklung. Und nach diesem Wochenende steht fest: Dieses Team hat nicht nur die Qualität, sondern auch das Herz, um wieder für große Momente zu sorgen.
Der RC Sorpesee ist zurück auf Platz eins in NRW. Und wie.

Kader:
Nora Asolli, Lena Barthel, Mia Basch, Maria Bayer, Jule Bolte, Ida Buchholzki, Frieda Bürger, Defne Karadas, Pauline Emig, Karina Siemens, Lilly Schulte, Mia Specht, Leonie Steiner, Sara Zimmer
Trainerteam:
Martin Barthel, Felix Kleffner, An Vervecken
Die Spiele:
Vorrunde
RCS-VCE Geldern 2:0 (25.21; 25:15)
RCS DJK Süd West Köln 2:1 (25:21; 23:25; 15:7)
Viertelfinale
RCS-PTSV Aachen 2:0 (26:24; 25:23)
Halbfinale
RCS-VV Humann Essen 2:1 (25:21; 22:25; 17:15)
Finale
RCS – RSV Borken 2:1 (21:25; 27:25; 15:9)
Westdeutscher Meister!
