Vor gut einem Jahr fasste Jürgen Born vom RC Sorpesee einen großen Entschluss: Er meldete sich für den Ironman Frankfurt an. Sein Ziel war klar definiert – einmal in seiner Karriere die Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii zu schaffen. Mit dem Wechsel in die neue Altersklasse M70 schien die Chance so groß wie nie. Von diesem Moment an ordnete der erfahrene Ausdauersportler nahezu alles diesem Traum unter.
Über zwölf Monate hinweg bereitete sich Jürgen akribisch auf den Saisonhöhepunkt vor. Unzählige Trainingskilometer im Wasser, auf dem Rad und zu Fuß bildeten die Grundlage für seinen großen Tag. Dass die Form stimmte, zeigte bereits sein starker Auftritt beim Triathlon in Bonn. Dort deutete sich an, dass er bestens vorbereitet nach Frankfurt reisen würde.
Doch die Wettkampfwoche stellte die Athleten vor außergewöhnliche Herausforderungen. Schon Tage zuvor war klar, dass extreme Hitze den Ironman prägen würde. Jürgen blieb dennoch optimistisch. Ihm war bewusst, dass unter diesen Bedingungen eine etwas defensivere Renneinteilung notwendig sein würde.
Zwei Tage vor dem Start folgte dann die historische Entscheidung der Veranstalter: Erstmals in der Geschichte des Ironman Frankfurt musste die Strecke aufgrund der hohen Temperaturen verkürzt werden. Die 3,8 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee blieben unverändert, anschließend wurden statt der üblichen 180 Kilometer lediglich 125 Kilometer auf dem Rad gefahren. Zum Abschluss wartete kein Marathon, sondern ein Halbmarathon über zwei Runden entlang des Mains. Diese Anpassung galt sowohl für die Profis als auch für die Agegrouper – die begehrten Startplätze für Hawaii wurden dennoch regulär vergeben.
Auch organisatorisch verlief das Wochenende nicht reibungslos. Der Bike-Check-in wurde wegen der Hitze kurzfristig auf den Abend verlegt und war erst ab 17 Uhr möglich. Am Wettkampfmorgen sorgten zudem Schwierigkeiten bei den Shuttlebussen dafür, dass viele Athleten erst kurz vor dem Start das Wettkampfgelände erreichten. Trotz des hektischen Beginns ließ sich Jürgen davon nicht aus der Ruhe bringen.
Im Langener Waldsee zeigte er eine starke Schwimmleistung und legte mit einer Zeit von 1:44:38 Stunden den Grundstein für ein erfolgreiches Rennen. Auf dem Rad lief anschließend nahezu alles nach Plan. Jürgen fand seinen Rhythmus, konnte sich optimal verpflegen und wechselte in aussichtsreicher Position auf die Laufstrecke.

Dort entwickelte sich ein spannender Kampf um die Spitzenplätze in der Altersklasse M70. Zunächst lag Jürgen auf Rang zwei, zwischenzeitlich übernahm er sogar die Führung. Erst ein französischer Konkurrent konnte ihn später wieder überholen. Trotz der enormen Belastung kämpfte sich der Sauerländer bis ins Ziel und überquerte nach 8:06:28 Stunden als hervorragender Zweiter der Altersklasse M70 die Ziellinie. Im Gesamtklassement belegte er Rang 1.681 von 2.475 Startern.


Nach dem Rennen zeigte sich Jürgen erleichtert und glücklich. Vor allem, weil er den Wettkampf unter diesen extremen Bedingungen komplett durchstehen konnte. Sein treffendes Fazit: „Das war ein hartes Brett.“

Die größte Überraschung sollte allerdings erst noch folgen. Bei der Slotvergabe im Rahmen der Siegerehrung verzichtete der Sieger der Altersklasse auf seinen Startplatz für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii. Damit rückte Jürgen Born nach und durfte unter großem Jubel den ersehnten Hawaii-Slot entgegennehmen – der Lohn für ein Jahr harter Arbeit, Disziplin und unermüdlichen Einsatz.

Damit geht für Jürgen Born ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Gemeinsam mit Profi-Triathlet Leon Arnold werden in diesem Jahr gleich zwei Athleten des RC Sorpesee die Farben des Vereins bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii vertreten. Man darf gespannt sein, wie sich Jürgen Born bei seinem großen Abenteuer auf der legendären Insel Kona schlagen wird.
