Erlebnisbericht von den Ruderweltmeisterschaften in Neuseeland

Unser Mitglied Alex Kiko hat die Gelegenheit genutzt und bei seinem Aufenthalt in Neuseeland auch die Ruderweltmeisterschaften besucht, hier sein Erlebnisbericht:

Freitag Mittag, 15 Uhr Ortszeit. Treffpunkt Britomart, Auckland, Neuseeland, ganz rechts unten, Ende der Welt.

Ich treffe mich mit einem gewissen Ludvig, groß, blond, Schwede, Fahrgelegenheit. Es geht los Richtung Hamilton wo die diesjährigen World Rowing Championships stattfinden.

Da ich kein Geld mehr für teure Hotels hatte, beschloss ich das Couchsurf Netzwerk in Anspruch zu nehmen: Eine Person bietet einer anderen Person ihre Couch an, um den kulturellen Austausch zu fördern. Als Gegenleistung wird ein Gastgeschenk erwartet, oder man betätigt sich irgendwie im Haushalt. Ich entschied mich fürs Gastgeschenk: Bier – Weltwährung.

 

Freitag Abend, 18 Uhr Ortszeit. Nikkis Haus, Hamilton, Ankunft.

30 Leute haben sich bei Nikki (mein Couchhost) versammelt, zum Barbecue, all freitägliches Ritual wie sich später herausstellt. Nikki freute sich sehr über das Bier, ich freute mich darüber, dass aus der Couch das Bett der verreisten Mitbewohnerin wurde. Viele Unterhaltungen, viele Getränke, viel Spaß.

 

Samstag Morgen, 11 Uhr Ortszeit. Nikkis Haus, Hamilton, Bus verpasst.

Nach einer harten Nacht und vielen flüssigen Spaßmachern fiel das Aufstehen schwer und ich hab meinen 10 Uhr Bus Richtung Cambridge verpasst. Aber Nikki hat mir direkt angeboten mich zu fahren. Man kann sich in etwa vorstellen was Nikki für ein Mensch ist wenn man bedenkt, dass es bis nach Cambridge eine knappe Stunde Autofahrt ist, ich ein Fremder bin und sie dabei auch noch verdammt gut aussieht.

 

Samstag Mittag, 12 Uhr Ortszeit, Lake Karapiro, Cambridge.

Endlich angekommen. Der See ist eigentlich ein aufgestauter Fluss, man kann ihn wohl noch 12 Kilometer flussaufwärts rudern meinte Michael, Mitglied des 4x- den ich durch Nils kennengelernt habe, den ich wiederum zufällig im Bluestoneroom in Auckland kennengelernt habe. Das Backpackerleben ist was Feines.

Er berichtete auch über die unglücklichen Bedingungen am Freitag, seinem Finaltag. Der Männer Skull Vierer ohne Steuermann wurde 7., er hatte sich Edelmetall erhofft.

Ich kam gerade pünktlich zu einigen Finalfahrten. Für Deutschland sprang Gold im leichten Frauenvierer raus, direkt danach gewann der leichte Männer Vierer und es ertönte gleich zweimal hintereinander ein “Please stand up for the national anthem of Germany”. Danach lief es nicht so gut für den Riemen Vierer der Männer: Bis auf tausend Meter vor dem Ziel war Deutschland vorne, wurde dann von Australien und England überholt und im Endspurt von China auf Rang 4 verwiesen. Nun hieß es also “God save the queen” – England gewinnt Gold. Die schlechten Bedingungen vom Freitag waren wohl dahin, der See war dauerhaft spiegelglatt, die Sonne schien und ich hatte meine Lichtschutzfaktor-30-Creme bei Nikki vergessen.

 

Samstag Abend, 17 Uhr Ortszeit. Lake Karapiro, Cambridge.

Der nächste Bus Richtung Hamilton kommt erst um halb 7, weswegen Ich und Auckland-Nils uns erstmal ein kühles Blondes am Regattaplatz genehmigten, Heineken, Neuseeland ist International. Die Sonne stach den ganzen Tag und der Stern brüht hier unten extrem. Es kribbelt unter der Haut. “Du bist rot”, Nils. “Und du erst”, ich.

Wir verabschiedeten uns, morgen selbe Zeit, selber Ort, alles klar.

 

Samstag Abend, 20 Uhr Ortszeit, Nikkis Haus, Hamilton.

Wieder zurück in Hamilton machte ich mir erstmal den “Spare Key” (den Haustürschlüssel der im Garten am Baum hängt) zu nutze denn keiner war da, ich hatte das Haus für mich allein. Ergo: Langeweile und Kuchen vom Vortag. Bis, jaaa bis Nikkis Mitbewohnerin von der Arbeit kam, mich in ihr Auto zerrte und wir zu Ludvig fuhren, der Bilderbuch Schwede. Kartentrinkspiele überbrückten das Warten auf  Nikki die den Plan für den Abend hatte.

 

Samstag Nacht, 23 Uhr Ortszeit, Hush Hush, Stripclub, Hamilton.

Nach dem ersten Wodka Martini meines Lebens (natürlich geschüttelt) kam das zweite „erste Mal“ des Abends: Stripclub, wo ich Nikki ganz Gentlemen like einen Lapdance ausgegeben habe als Dankeschön für die Fahrt vom Vormittag. Die Nacht wurde lang, der Tag fängt schon wieder an.

 

Sonntag… zu früh… Nikkis Haus.

Um den Bus nicht wieder zu verpassen gab’s Katzenwäsche, frisches T-Shirt, Schluck Wasser und einen 5 Kilometer Spurt zum Transportcenter in Hamilton am Morgen. Der Bus fuhr gerade los als ich mein Ziel erreichte, also 2 Stunden Däumchen drehen und sich ein wenig mit den Ordnern unterhalten, sehr nette Leute.

 

Sonntag, 12 Uhr Ortszeit, Lake K., Cambridge.

Als ich ankam war die Regatta schon in vollem Gange. Das Rennen Peruaner gegen Taiwanesen hab ich leider verpasst. Der Peruaner trainiert im Gig-Einer auf hoher See und hat gewonnen, C Finale! Ich kam allerdings pünktlich für die großen Finale und es sollte ein äußerst erfolgreicher Tag für Deutschland werden. Etwas „langweilig“ war der leichte Fraueneiner, vom Start zum Ziel lag die Deutsche Ruderin mit deutlichem Abstand in Führung. Die erste wirkliche Überraschung war der leichte Männerachter: Gold, und zwar mit einer knappen Bootslänge, Titelverteidiger England kam gerade noch so auf Rang 3, vor China. Das Glück hatte der Männerdoppelzweier leider nicht, sie wurden 7. und konnten ihren Titel nicht verteidigen.

Spannend wurde noch der Männerachter, das letzte Rennen, die Königsklasse. Der Deutschlandachter war von Anfang an führend, hat dann die Führung kurzzeitig an England verloren um im Endspurt wieder an die Spitze zu kommen. Somit ist der Deutschlandachter seit Peking ungeschlagen auf der 2000-Meter-Strecke.

Die WM war super. Die Organisation spitzenmäßig, jeder wurde herzlich von den Veranstalter empfangen. Es gab “free fruits”, hier und da ein Haka von einer Maori Gruppe, sehr leckeres Essen, Sonne, und generell viel Entertainment “off water”.

Auch die Besucher waren äußerst friedlich, es gab bei 15 tausend (!) Menschen (am Sonntag) gerade mal zwei Polizisten: Der Eine stand am Bierzelt und langweilte sich, der Zweite stand vor dem Bankautomaten und gab Tipps welche Futterbude die Beste ist, Security Personal gab’s nur am Eingang zum Athletenbereich und bei der generellen Taschenkontrolle wo nach Glasflaschen gesucht wurde und nicht nach Waffen.

 

Sonntag Abend, 19 Uhr Ortszeit. Nikkis Haus, Hamilton.

Nach einer sehr leckeren Torte (Pavolion: besteht aus Marshmallow im innern und hartem Marshmallow außen) gab’s noch eine kurze Abschiedsumarmung bevor es für mich dann weiter ging Richtung Tauranga, Bay of Plenty, Neuseeland, ganz rechts unten, Ende der Welt.

 

Impressionen:

 

{gallery}Inhalte/Rudern/2010/kikoNZL{/gallery}

Print Friendly, PDF & Email